Wirkmächtigkeit exklusiver Beziehungsvorstellungen

Warum es so schwer ist, dann doch nicht eifersüchtig zu sein

 

Eifersucht ist schmerzhaft, sie beinhaltet Trauer, Wut und Neid, Verlustängste, Minderwertigkeitsgefühle. Ausgelöst wird sie durch die Vorstellung, nicht genug Aufmerksamkeit, Liebe oder Respekt von unseren Partner*innen zu bekommen, wenn sie gegenüber einer Person oder mehreren anderen die vermeintlich gleiche Zuneigung verspüren. Dabei geht es nicht nur um sexuelle Untreue sondern auch um das Beobachten einer speziellen Vertrautheit zwischen de*r Partner*in und einer anderen Person, bei der die eifersüchtige Person vermeintlich ausgeschlossen ist. Eifersucht als eine Art Besitzstandswahrung scheint mit polyamoren Werten gar nicht vereinbar zu sein.

Ich möchte aus einer normalitätskritischen Perspektive heraus das Thema Eifersucht genauer betrachten und zunächst verschiedene thematische Bezüge nutzen, die üblicherweise im Zusammenhang mit Eifersucht betrachtet werden.

Zudem ist das private und berufliche Umfeld häufig geprägt von exklusiven Beziehungen. Serielle Monoamorie ist zu einer machtvollen gesellschaftlichen Normalvorstellung geworden. Für Eifersuchtsgeplagte mit polyamorem Hintergrund kommen zum Gefühlsstress dann meist noch wenig hilfreiche Signale aus dem Mono-Umfeld, die „die Betrogenen“ als bemitleidenswert und die „Betrüger*innen“ als Schuldige behandeln oder die die vermeintliche Untreue als unausgesprochene Probleme oder unterdrückte Konflikte bewerten. Zusätzlich sind die Reaktionen aus dem Polyumfeld schwer zu verdauen, die zu recht eifersüchtiges Verhalten ablehnen.

Mein Beitrag soll dazu anregen, den Zusammenhang von Eifersucht und persönlichem Wachstum besser zu verstehen. Ich möchte mit den Teilnehmenden gemeinsam nach Strategien suchen, die es möglicherweise leichter machen, sich der Eifersucht zu stellen und alten Klischeevorstellungen, Konkurrenzdenken und Verlustängsten als Symptome der unumgänglichen menschlicher Verwundbarkeit ihren Schrecken zu nehmen.

Simone

Ich bin weiblich sozialisiert und 57 Jahre alt. Mein Lebenslauf ist gekennzeichnet von der Erfahrung, in keine Kategorie so richtig hineinzupassen. Ich bin offensichtlich behindert, aber oftmals befähigter als die durchschnittlich Normalen. Ich bin promovierte Wissenschaftlerin mit einem Gesellenbrief als Gemüsebauerin. Ich hatte mein „Coming-Out“ als Lesbe vor fast 30 Jahren und eckte in der Community dann später damit an, dass ich auch Liebesbeziehungen zu Männern hatte. Und ich lebe als entschiedene Verfechterin der Beziehungsanarchie in einer aktuell eher monoamoren Frauenbeziehung.

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