Was normal ist, kommt gut an

Mein Vortrag thematisiert kollektive Vorstellungen von Normalität und die mit den Vorstellungen von „Normalsein“ verbundenen Phänomene von Anerkennung und Missachtung. Menschen, die in ihrem Verhalten oder auch  in ihrem Aussehen von dem jeweils als normal definierten Maß abweichen, erfahren nachweislich Benachteiligungen. Gesellschaftliche Prozesse, die zu verändertem Anerkennungsverhalten führen, sind wichtig. Dabei spielen Bekenntnisse normabweichender Verhaltensweisen unter anderem als „Coming-Out-Geständnisse“ eine große Rolle – ebenso wie geeignete Strategien, um unsere Mitmenschen zu motivieren, ihre bisherigen Vorstellungen von Normalität zu anzupassen.

Jede und jeder trägt bestimmte Muster von Handlungsmöglichkeiten sowie Denk- und Wahrnehmungsmuster in sich, die wir – weil sie häufig auftreten und/oder als legitim erlernt wurden – als ’normal‘ empfinden und die in gewisser Weise  Normalität abbilden. Das, was normal erscheint, steht somit in Zusammenhang mit kollektiven Verhaltenstendenzen. Diese kollektiven Verhaltenstendenzen zeigen ein bestimmtes Muster, das kulturelle Unterschiede aufweist. So gibt es zum Beispiel  in einzelnen Kulturen sehr unterschiedlich die Arten und Weisen, mit Unsicherheit und Mehrdeutigkeit umzugehen. „Was anders ist, ist gefährlich“ gilt nicht überall.  Wenn wir in unserem direkten Umfeld Bedingungen schaffen, die helfen, ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass alles was anders ist, auch bemerkenswert sein und neugierig machen kann, können sich neue Formen von Anerkennung durchsetzen.

In meinem Workshop werde ich in anschaulicher Weise den Fokus auf die verschiedenen Dimensionen von Anerkennung (nach Axel Honneth) legen und sie mit Euch auf dem Hintergrund der Kulturdimensionen (nach Geert Hofstede) insbesondere in Bezug auf die Kulturdimension „Ungewissheitsvermeidung“ als Abneigung gegenüber unvorhergesehenen Situationen diskutieren.

Ziel ist es, mit dem Wissen um individuelle und kollektive Konstruktionen von Normalität sowie mit dem Wissen um Widerstände, Anerkennungsdimensionen und Machtmechanismen Kommunikation so zu gestalten, dass es unserem Umfeld leichter möglich wird, eine normalitätskritische Haltung einzunehmen und ungewöhnliche Beziehungsmuster als gleichwertig anzuerkennen.

 

Simone
Ich bin weiblich sozialisiert und 56 Jahre alt. Mein Lebenslauf ist gekennzeichnet von der Erfahrung, in keine Kategorie so richtig hineinzupassen. Ich bin offensichtlich behindert, aber oftmals befähigter als die durchschnittlich Normalen. Ich bin promovierte Wissenschaftlerin mit einem Gesellenbrief als Gemüsebauerin. Ich hatte mein „Coming-Out“ als Lesbe vor fast 30 Jahren und eckte in der Community dann später damit an, dass ich auch Liebesbeziehungen zu Männern hatte. Und ich lebe als entschiedene Verfechterin der Beziehungsanarchie in einer aktuell eher monoamoren Frauenbeziehung.

 

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