Verantwortlichkeit in Beziehungen

Das Spannungsfeld zwischen Autonomie und Verbindlichkeit

Wir lernen bereits als Kinder, dass Beziehungen aus Geben und Nehmen bestehen. Wir gehen innige zwischenmenschliche Beziehungen ein, um unser Leben zu bereichern, um ein Netzwerk aus Gleichgesinnten zu schaffen, um Unterstützung zu bekommen, um emotionale und körperliche Intimität zu erfahren und um Bestätigung zu erhalten. Aber um diese Verbindung mit anderen Menschen zu schaffen, müssen wir uns auf einen komplexen und andauernden Austausch von Verantwortlichkeiten einlassen, der häufig von eigenen Unsicherheiten, Erfahrungen aus vergangenen Beziehungen, gesellschaftlichen Konstrukten und kommunikativen Missverständnissen geprägt wird. Nicht selten entstehen dann Diskrepanzen zwischen uns und unseren Beziehungspartnern in Bezug darauf, welche Beiträge man in einer Beziehung zu leisten hat. Zum Beispiel darüber, ob ein guter Freund für mich immer ein offenes Ohr haben muss, wenn es mir nicht gut geht, oder ob ich für meine Partner tatsächlich der Notfallkontakt sein sollte, oder ob bestimmte Beziehungen eine höhere Priorität als andere einnehmen sollten.

Ich sehe mich durch meinen stark von Autonomie geprägten Lebensstil häufig vor die Frage gestellt, was für mich Verantwortlichkeit in Beziehungen eigentlich ausmacht und wie ich Verbindlichkeit leben möchte, ohne meine eigenen Grenzen oder die des Gegenübers zu überschreiten. Unbewusst habe ich in den letzten Jahren einige Strategien in Bezug auf meine Beziehungen entwickelt, auf die ich im Workshop näher eingehen möchte. Die zwei zentralsten sind, dass ich selbstverantwortlich Zeit und Energie in den Aufbau eines sozialen Netzwerkes aus mehreren Beziehungsmenschen investiere, um in Notfallsituationen mehrere Menschen zu haben, die mich unterstützen können und ich so die Belastung für diese Menschen aufteilen kann. Weiterhin habe ich unter anderem durch die mangelnde Ressource Zeit damit begonnen, meine Energie sehr bewusst auf Gegenüber zu konzentrieren, die, über eine längere Zeitspanne betrachtet, ähnlich stark in die Beziehung investieren wie ich es tue.

Der Workshop soll dazu dienen, verschiedene Denkweisen zu dem Spannungsfeld Verantwortlichkeiten in Beziehungen zusammenzutragen und über mögliche Lösungsansätze zu diskutieren. Dazu könnt ihr in den nächsten Monaten mal beobachten, welche Strategien ihr anwendet, um in diesem Spannungsfeld zu navigieren. Welche produzieren für euch die zufriendenstellendsten Ergebnisse, welche waren nicht so erfolgreich?

Um mich besser auf den Workshop vorbereiten zu können, fände ich es hilfreich, wenn ihr euch über folgende Fragen ein paar Gedanken macht und mir eure Antworten im Vorfeld (per email an CloudyFrankfurt@gmail.com) zukommen lassen würdet:

  • Welche Erwartungen habt ihr an den Workshop?
  • In welchen Situationen kommt dieses Spannungsfeld für euch am ehesten zu tragen?
  • Gibt es ein Narrativ, Sätze etc. die in eurem Kopf ablaufen, wenn ihr in dieses Spannungsfeld geratet?

Als Beispiel: Ein Gedanke, der mich häufig in dem Konflikt zwischen den Wünschen meines Gegenübers und meinen eigenen Bedürfnissen begleitet, ist der Gedanke „nicht genug“ zu sein.

 

Sabrina ist 32 Jahre alt, aromantisch und bisexuell, lebt seit 11 Jahren solo und seit 5 Jahren polyamor. Sie widmet sich beruflich der Erschaffung von Büchern und hat als peregrin auf deviante-pfade.de einige Artikel über deviante Beziehungsthemen veröffentlicht.

(zurück zum Programm 2018)

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