Polyamore Beziehungsarbeit mit Hilfe der Imago Paartherapie

Die Imago-Paartherapie wurde von Dr. Harville Hendrix und Helen Hunt entwickelt. Diese ganzheitliche Therapieform führt zu einem tieferen Verständnis von Liebesbeziehungen und kann zu dauerhaften positiven Veränderungen in der Kommunikation führen.

Der Grundgedanke der Imago-Paarbegleitung beinhaltet die Idee, dass wir uns unbewusst genau die Beziehungspartner*innen aussuchen, die einem inneren Bild (Imago ist der lateinische Begriff für ‚Bild‘ bzw. ‚Abbild‘) entsprechen, das sich seit der Kindheit in uns entwickelt hat und das Ergebnis unserer positiven wie auch negativen Erfahrungen und Erlebnisse darstellt. Mit der Imago-Arbeit können die Beteiligten entdecken, welche gewohnheitsmäßigen Verhaltensweisen auf unerfüllten Bedürfnisse oder Ängste zurückgehen, deren Auslöser in Verletzungen in der Kindheit liegen. Mit dem gegenseitigen Bewusstmachen der inneren Gefühlswelt wird es möglich, die Beziehungen neu zu sehen und zu gestalten.

Wir werden gemeinsam den Imago-Trialog durchführen, die Abwandlung des klassischen Imago-Dialogs, einem Hauptinstrument dieser Methode: Jeweils zwei Personen wiederholen die Aussagen eine*r im Mittelpunkt stehenden Sender*in. Dieses Vorgehen ist auch im Ausbildungssetting etwas Übliches: die ganze Gruppe wiederholt Sätze, die sie besonders bedeutsam fanden oder teilen ihre eigenen Erinnerungen an ähnliche Dinge mit. Das ist dann direkt auf „Polyküle“ anwendbar: die Beziehungspartner*innen können sich als Gruppe treffen und immer Aussagen einer Person gemeinsam wiederholen, bis deren Thema gut besprochen ist und dann zur nächsten übergehen usw.

Der Imago-Trialog umfasst vier Phasen:

1. Spiegeln:
Wiederholen des Gesagten. Die Sender*in teilt kurze Abschnitte mit, die wiederhol- und erinnerbar sind und spricht in Ich-Botschaften, möglichst ohne Vorwürfe. Die Empfänger*innen wiederholen, fragen „Habe ich dich gehört?“ und die Sender*in korrigiert ggf. wertschätzend: „Ja, du hast schon ganz viel gehört – aber folgendes fehlt noch, von dem ich auch möchte, dass Du es wiederholst:…“ Die Empfänger*innen kommen dem Wunsch nach und fordern auf: „Erzähl mir mehr!“ bis das Thema rund ist.

2. Zusammenfassen:
Das Wesentliche wird von den Empfänger*innen noch einmal zusammengefasst und gegebenenfalls durch die Sender*in korrigiert.

3. Geltenlassen:
Das nenne ich immer das „eigentlich Revolutionäre“ am Imagodialog: hier geht es darum, den Sinn für die Sender*in wirklich anzuerkennen und so gut es geht nachzuvollziehen – dafür müssen wir uns oft ein Stück weit aus unserer eigenen Welt heraus und in die Welt der Sender*in bewegen: „Wenn ich mich in dich hineinversetze, aufgewachsen mit Eltern, die dir nie zugehört haben, dann kann ich nachvollziehen, wie wichtig es dir ist, dass ich eben keine Zeitung am Frühstückstisch lese, sondern dir mir voller Aufmerksamkeit zuhöre, wenn du mir etwas für dich Wichtiges erzählen möchtest“ –  selbst wenn das Zeitunglesen gerade das Wichtigste für mich auf der Welt zu sein scheint. Und: nein, ich muss das nicht als Maßstab für mein künftiges Handeln nehmen! Hier geht es erst mal nur um das wirklich tiefe Verstehen der Welt der Anderen.

4. Nachvollziehen der Gefühle:
„Wenn ich mich in dich hineinversetze, stell ich mir vor, du hast dich ganz unwichtig, klein und kaum vorhanden für mich gefühlt- trifft es das?“ – „Nein, im Gegenteil: ich war total wütend, fühlte mich sogar groß in meiner Wut, wusste aber gar nicht, wohin damit und das ließ mich innerlich verzweifeln!“ Danach können die Rollen gewechselt werden bzw. die oder der Nächste ist dran, ihr oder sein Thema zu besprechen, das auf dem Herzen liegt.
Den Vortragsteil will ich sehr kurz halten, dann jeweils die Anfänge der 4 Phasen kurz demonstrieren, dann 3er-Gruppen bilden lassen und die Teilnehmenden ca 30 min üben lassen. Danach gibt es eine abschließende Diskussionsrunde, um die Eindrücke und Erkenntnisse aus den Übungen zu teilen.

 

Ralf ist 56 Jahre alt, erlebt sich schon, seit er 16 war, polyamor und lebte schon mit Anfang 20 in Mehrfachbeziehungen, transparent und mit Einverständnis aller Beteiligten. In den letzten Jahren je 2-3 parallele gleichwertige Partnerschaften, zuletzt getrennt wegen zu verschiedenartiger Beziehungsvorstellungen. Er ist Psychologischer Psychotherapeut mit eigener Praxis mit Analytischer und tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie, in Fortbildung zur Imago Paartherapie.

 

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