Teach-In 2018: Programm

Das Programm ist noch nicht ganz fertig, es gibt momentan hinter vielen Programmpunkten noch keine Seite mit weiteren Infos – diese werden in den nächsten Tagen, bis spätestens Anfang Mai, dazukommen, sobald die Texte mit den Vortragenden abgestimmt sind.

Vorträge:

Lore (Offenbach):
Grenzen setzen, wahren und respektieren

Dein Tanzbereich – mein Tanzbereich

Grenzverletzungen können körperlich oder mental sein, sie können offensichtlich oder auch sehr subtil sein. Mal ist es der bisher so nette Nachbar, der auf einmal anfängt zu grapschen, mal ist es die Therapeutin, die zum privaten Kaffee zu zweit einlädt, oder die Chefin, die dem Praktikanten sehr intime Fragen stellt.

Es ist hilfreich, sich darüber klar zu sein, wo die eigenen Grenzen liegen – ganz allgemein, aber speziell auch in Bezug auf einvernehmliche Mehrfachbeziehungen. Persönliche Grenzen können dem Leben Struktur geben, Beziehungen stärken und einen positiven Einfluss auf das mentale und körperliche Wohlbefinden haben. Doch ist es nicht immer einfach, dafür zu sorgen, dass die eigenen Grenzen gewahrt bleiben – es kann mitunter sogar ziemlich unbequem sein.

Basierend auf dem Buch “Boundaries – Where you end and I begin”* liefert dieser Vortrag strukturierte Informationen und Denkanstöße, Lösungsansätze für häufige Probleme sowie Anknüpfungspunkte für vertiefende Diskussionen zum Thema persönliche Grenzen.

*Katherine, Anne: Boundaries. Where you end and I begin. Hazelden, Center City, 1994.

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Kirstin (Braunschweig):
Asexualität – im Allgemeinen und in nichtexklusiven Beziehungskonzepten

Was ist Asexualität, wie erleben asexuelle Menschen unsere Gesellschaft und die polyamore Community, wie können ihre Identität und ihre Grenzen besser verstanden werden?

Asexuelle Menschen gibt es fast überall – auch in der polyamoren Community. Und wie fast überall sind sie auch hier oft unsichtbar. Mit diesem Vortrag möchte ich zu mehr Sichtbarkeit beitragen, dafür sensibilisieren, dass es mehr asexuelle Menschen gibt, als es auf den ersten Blick scheint, und Informationen anbieten, um Asexualität besser zu verstehen.

Ich werde einen Überblick darüber geben, was Asexualität eigentlich ist und welche Begriffe und Konzepte damit zusammenhängen. Außerdem soll es darum gehen, wie asexuelle Menschen unsere Kultur erleben – sowohl im Allgemeinen als auch speziell in den Subkulturen nichtexklusiver Beziehungen.

Außerdem können wir als polyamore Community einiges aus der asexuellen Community lernen. Dort wurde z.B. im Laufe der Zeit eine sehr differenzierte Betrachtung von verschiedenen Aspekten der Anziehung zwischen Menschen entwickelt. Diese Betrachtung kann sowohl für asexuelle als auch für nicht-asexuelle Menschen nützlich sein, um die Vielfalt unserer Gefühle und Beziehungen genauer zu beschreiben.

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Simone (Frankfurt):
Wirkmächtigkeit exklusiver Beziehungsvorstellungen – warum es so schwer ist, dann doch nicht eifersüchtig zu sein

Wir wünschen uns eine Welt, in der unsere Ideale in Bezug auf polyamore Beziehungsformen als normal gelten. Unsere Mitmenschen sollen offen sein für ein Auflösen ihrer einseitigen Normalitätsvorstellungen, dafür setzen wir uns jedenfalls oft ein. Wie sieht es aber mit den eigenen Gefühlen und Glaubenssätzen aus, wenn dann doch Eifersucht ins Spiel kommt, weil die Partnerin oder der Partner eine neue Liebe hat?

Bei allen Bekenntnissen zu Offenheit, Lebendigkeit, Lebensfreude und Vertrauen ist die Realität oft viel schwieriger als die Theorie. Es gibt die Eifersucht, die den (sexuellen) Treuewunsch an die Partnerin oder den Partner beinhaltet – aber nicht unbedingt an sich selbst. Welche Ängste und Unsicherheiten werden warum mobilisiert und warum sind polyamore Werte und einvernehmliche Moralvorstellungen von Freiheit manchmal so schwer zu leben? Das sind die Fragen, denen ich in meinem Workshop nachgehen möchte.

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Workshops:

Ralf (Hannover):
Polyamore Beziehungsarbeit mit Hilfe der Imago Paartherapie

Ziel der Imago-Therapie ist es, für die innere Welt der Partner*innen offen zu sein und sie mitzuerleben, ohne sie zu bewerten. Mit Hilfe der Imago-Gesprächsführung können auch dann,  wenn Emotionen außer Kontrolle geraten, wieder eine gute Kommunikation und eine vertrauensvolle Verbindung zueinander entstehen.

Im Workshop möchte ich das Kernstück der Methode vermitteln: den Imago-Dialog, der gut geeignet ist, um Beziehungen wesentlich zu vertiefen, gegenseitiges Hören und tiefes Verstehen sicher herzustellen. Diese Kommunikationsform stellt damit auch eine gute Grundlage für eine zutiefst wertschätzende Beziehung zwischen Menschen dar. Ursprünglich ist die Imago-Paartherapie auf Paare ausgelegt, sie lässt sich aber auch gut auf polyamor lebende Menschen anwenden. Die als Imago-Trialog abgewandelte Form des Dialogs kann für polyamore Beziehungen sehr hilfreich sein.

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Sabrina:
Verantwortlichkeit in Beziehungen – das Spannungsfeld zwischen Autonomie und Verbindlichkeit

Autonomie gilt als die Fähigkeit aus unserer Freiheit als selbstbestimmtes Wesen heraus Entscheidungen zu treffen. In unserem Alltag sehen wir uns jedoch immer wieder mit Situationen konfrontiert, in denen wir uns als soziales Wesen mit Gefühlen des Hin- und Hergerissenseins zwischen sozialen Verpflichtungen auseinandersetzen müssen.

Wann sollten wir unsere eigenen Wünsche durchsetzen und wann sollten wir Kompromisse zugunsten des Partners eingehen? Wie gehen wir damit um, wenn unterschiedliche Herzensmenschen in unserem Leben widersprüchliche Wünsche haben?

Bedeutet Autonomie Egoismus? Wenn jeder Mensch freie Entscheidungen trifft, leben wir dann nicht ausschließlich in Schönwetterbeziehungen und stehen ohne Rückhalt da, wenn es uns nicht mehr gut geht und wir auf die Hilfe anderer angewiesen sind?

Meine gewählte Beziehungsform der Solo-Polyamorie (weitere Infos gibt es hier: https://www.deviante-pfade.de/flying-solo/) und in vielen Aspekten auch der Beziehungsanarchie (weitere Infos gibt es hier: http://mehrplatzfuerdieliebe.blogspot.de/2014/02/beziehungsanarchie-lieben-nach-dem.html und hier: http://mehrplatzfuerdieliebe.blogspot.de/p/beziehungsanarchie-in-8-punkten.html) hat mich gerade in den letzten Monaten immer wieder in die Situation gebracht, in der ich mich mit den oben genannten Fragen ausaneindersetzen wollte und musste.

Dabei würde ich gerne einige meiner Strategien teilen, die mir den Umgang mit diesen kontroversen Aspekten erleichtert haben.
Diese würde ich anschließend gern mit euch diskutieren und eure Methoden zusammentragen, die euch helfen dieses Spannungsfeld zu navigieren sowie Erfahrungsberichte sammeln, welche Wege für euch eher kontraproduktiv waren.

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Lore (Offenbach):
Schreibworkshop “Meine Poly-Genesis”

In diesem Workshop werden wir gemeinsam versuchen, unsere Köpfe frei zu bekommen, in einen kreativen Schreib-Flow zu gelangen und die eigene Mehrfachbeziehungs-Geschichte aufzuschreiben.

Dabei kann ein ganz klassischer Prosatext herauskommen oder auch etwas ganz anderes. Denn wir können uns verschiedener Methoden und Formen des kreativen Schreibens bedienen, wie beispielsweise Automatic Writing, Mindmapping, Timelines, Haiku, Senryu oder Elfchen, Flowcharts, Comics, Memes, Songtexte, Playlists, Foto-Love-Storys, Kochrezepte und so weiter. Je nach Interesse der Teilnehmenden werde ich die Methoden/Formen vorstellen, und es wird Vorlagen für einen leichten Anfang geben (damit das Blatt nicht mehr so weiß ist). Zwischendurch-Feedback gibt es bei Bedarf natürlich auch.

Wir hoffen, dass möglichst viele der Teilnehmenden ihre Werke hinterher an der Vorstellungswand veröffentlichen und auch zustimmen, dass sie – auf Wunsch anonym – im Internet veröffentlicht werden. Denn bisher gibt es viel zu wenige Erfahrungsberichte aus erster Hand über einvernehmliche Mehrfachbeziehungen – und vermutlich viele Menschen, die sie gerne lesen möchten.

Unbedingt mitbringen: etwas zum schreiben – also Stift und Papier oder ein elektronisches Gerät, das Text – und bei Bedarf auch Bilder – verarbeiten kann. Eine Möglichkeit zum Drucken ist vorhanden.

Optional mitbringen: vorhandene Ideen, Texte, Textfragmente oder Bilder, die verarbeitet werden sollen.

 

Johan (Dortmund):
Kommunikationsübung: „Ich-Botschaften“

Ich-Botschaften ist eine Bezeichnung, die in kommunikationspsychologischen Theorien vorkommt. Dabei handelt es sich um persönliche Äußerungen im Sinne einer „Selbstkundgabe“, und beinhalten den persönlichen Selbstoffenbarungsanteil.

Ich-Botschaften sind wichtig für eine gelingende Kommunikation. Sie geben Auskunft über die Befindlichkeit der jeweiligen Sprecher*innen. Ich-Botschaften können das Gegenüber viel eher motivieren, sich emotional zu öffnen und sich auf die Äußerungen und Gefühle der Gesprächspartner*innen einzulassen, als Du-Botschaften dies können, die Aussagen oder Urteile über das Gegenüber enthalten.

Wir wollen nach einer kurzen Einführung zum Thema Kommunikation und zum Konzept der „Ich-Botschaften“ erst als Gruppe, dann in Kleingruppen von 2 bis 4 Personen „Ich-Botschaften“ üben. Am Ende gibt es Zeit für Fragen und eine Diskussionsrunde.

 

Sonstige Formate:

Simone (Frankfurt), Cloudy (Frankfurt):
Einführungsworkshop

Wir erläutern den Verhaltenskodex der Veranstaltung, danach machen wir ein paar Soziometrie-Spiele zum Kennenlernen und initiieren den Austausch über Wünsche und Hoffnungen der Teilnehmenden für die Veranstaltungen in kleinen Teams.

 

Heiko:
Portraitfotos für die Vorstellungswand

Wer möchte, kann seine schriftliche Vorstellung mit einem aktuellen Foto ergänzen, damit die geneigten Lesenden es leichter haben, die Informationen den Personen zuzuordnen.

Heiko macht unkomplizierte Portraits, die bisher bei allen Fotografierten größte Zufriedenheit erzielten. Es wird nichts unabgestimmt aufgehängt, und natürlich bekommen alle ihre Bild-Datei.

 

Edmund (Kassel):
Polyamorie und Psychotherapie

Wie offen kann ich in einer Psychotherapie über meine polyamoren Erfahrungen reden?

Wenn polyamore Beziehungsversuche wiederholt scheitern, ist es naheliegend sich zu fragen, was liegt daran an mir –  und sich eventuell psychotherapeutische Hilfe zu suchen.

Hier kann es jedoch zu einer Konfrontation mit normativen Vorstellungen von PsychotherapeutInnen zu Partnerschaft und Bindungsfähigkeit kommen.

In dem Workshop wird ein Austausch stattfinden über Erfahrungen auf der Suche nach einem geschützten psychotherapeutischen Raum für Reflexion von vielfältigen Beziehungsmodellen.

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Ralf (Hannover), tba:
Redekreis zum persönlichen Stand der aktuellen Stressverarbeitung

Ausgelöst durch die Situation und die Themen auf dem Teach-In kann es zu Stress, emotionalem Aufruhr oder allgemeinem Missbefinden kommen. Dieser Redekreis ist dazu gedacht, negativen Emotionen im Gespräch mit anderen einen Raum geben zu können, und gerade die Themen anzusprechen, die in der aktuellen Situation als belastend empfunden werden, ohne sich darüber Sorgen machen zu müssen, als zimperlich, miesepetrig oder generell ungeeignet für das „echte polyamore Leben“ wahrgenommen zu werden.

 

Simone (Frankfurt):
Open Space zum Thema: Was hat gefehlt, was sollte vertieft werden?

Open Space: (engl.) „offener Raum“ oder „Freiraum“:
Open Space ist eine interaktive Konferenzmethode, bei der es zwar einen thematischen Rahmen gibt, aber die Teilnehmenden selbst aktiv sind und die aktuellen Fragestellungen bzw. Anliegen einbringen, die sie am meisten interessieren.
Der Open Space ist besonders geeignet, um komplexe Themen mit dem Wissen vieler zu bearbeiten, Erfahrungen auszutauschen, voneinander zu lernen und gemeinsame Strategien zu entwickeln.
Er beinhaltet das Prinzip der motivierten Selbstorganisation und Selbstbestimmung und sichert die größtmöglichen Mitwirkungsmöglichkeiten der Teilnehmenden. Gearbeitet wird frei und nach der eigenen Motivation: Kontinuierlich an einem Thema oder wechselnd mal hier, mal dort, oder auch nur kreativ am Kaffeetisch. Ergebnisblätter sichern den Erkenntnisgewinn.

 

Johan (Dortmund):
25 Minuten Entspannung auf der Massageliege: Klassische Rückenmassage bzw. schwedische Muskelentspannungsmassage nach Wunsch

Die Massage dient zur mechanischen Beeinflussung von Haut, Bindegewebe und Muskulatur durch Dehnungs-, Zug- und Druckreiz. Die Wirkung der Massage erstreckt sich von der behandelten Stelle des Körpers über den gesamten Organismus und schließt auch die Psyche mit ein.

Die so genannte „Schwedische Epoche“ auf dem Gebiet der manuellen Therapie begann mit Pehr Henrik Ling (1776–1839). Er gründete 1813 das „Zentralinstitut für Heilgymnastik und Massage“ in Stockholm, wo er seine Auffassungen von Massage und Gymnastik lehrte. Die von ihm entwickelten Handgriffe wurden als „Reiben, Drücken, Walken, Hacken und Kneipen“ bezeichnet.
Johan ist ein erfahrener Masseur für klassischer Ganzkörpermassage, der in Schweden ausgebildet wurde und seit 9 Jahren in Deutschland praktiziert.

Bitte ein Handtuch mitbringen, sofern möglich. Da es keine Pausenzeiten gibt, bitte pünktlich zum vereinbarten Termin kommen. Der Wechsel erfolgt zügig und nicht minutengenau, dabei bitte Johans Anweisungen befolgen, und vor dem Termin unbedingt auf dem Flur vor dem Massagezimmer warten, bis Johan  hereinbittet. (Nicht anklopfen, nicht eintreten, nicht mit den Hufen scharren!)

Kleidung ist für die Massagegäste optional. Zieht Euch an oder aus, wie Ihr Euch wohlfühlt. Johan bleibt angezogen.

 

Simone (Frankfurt), Sabrina, tba :
World Café zur Auswertung des Teach-Ins

World-Café Etikette:

  • sprich über das, was Dir wichtig ist
  • höre gut hin, um wirklich zu verstehen
  • fasse Dich kurz
  • trage Deine eigene Sichtweise bei
  • sei neugierig auf tiefer gehende Fragen und neue Erkenntnisse
  • spreche und höre mit Herz und Verstand

Auf die Tischdecke schreiben, kritzeln, malen, spielen, Ideen verlinken und verbinden, all das ist ausdrücklich erwünscht!

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