Teach-In 2017: Programm

Simone (Frankfurt):

Was normal ist, kommt gut an – Polyamorie, Anerkennung und kollektive Denkmuster

Wir wünschen uns eine Welt, in der unsere Ideale in Bezug auf polyamore Beziehungsformen als normal gelten. Unsere Mitmenschen sollen offen sein für ein Auflösen ihrer einseitigen Normalitätsvorstellungen. Das wird aber nur möglich, wenn die Mitglieder der Gesellschaft dafür eine Motivation haben.

Was können wir also anbieten, um  Menschen zu motivieren, ihre Vorstellung von Normalität anzupassen und nicht an ihrer Irritation und ihrem Widerstand zu scheitern? Diese und ähnliche Fragen sollen auf dem Hintergrund anerkennungstheoretischer Reflexionen und mit Hilfe der Kulturdimension „Ungewissheitsvermeidung“ als Abneigung gegenüber unvorhergesehenen Situationen diskutiert werden.

Mein Beitrag soll dazu anregen, den Zusammenhang von Anerkennungspraxen und kollektiven Denkmustern besser zu verstehen. Ich möchte mit den Teilnehmenden gemeinsam nach Strategien suchen, die es unserem Umfeld leichter ermöglichen, eine normalitätskritische Haltung einzunehmen und ungewöhnliche Beziehungsmuster als gleichwertig anzuerkennen.

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Kolja (Assenheim):

Mein Bauch gehört mir.

Was das Grundrecht auf sexuelle Selbstbestimmung mit Monogamie zu tun hat

Auf Facebook las ich von einem erklärten Beziehungsanarchisten das folgende Argument: „Es gibt viele Leute die sehr zufrieden damit sind,
ihrem Partner die Freiheit zu gewähren, Sex mit anderen zu haben“. Er kam sich dabei wohl sehr progressiv vor.
Dabei ging die Französische Nationalversammlung 1789 schon viel weiter: „Die Menschen sind und bleiben von Geburt an frei“.

Der Frage, ob Freiheit angeboren ist oder vom Partner gewährt wird will ich mich in meinem Vortrag annähern.

 

Sabrina:

Beziehungen nach Maß schneidern.

Wie Stereotype die Entwicklung unserer Beziehungen beeinflussen und ein Blick über den Tellerrand

Das Ideal der exklusiven Zweierbeziehung hat unsere Vorstellung von Beziehungen nachhaltig geformt. Wir haben häufig eine recht klares Bild davon, wie eine erfolgreiche „richtige“ Beziehung auszusehen hat, welche Regeln wir in ihr befolgen müssen und welche Erwartungen wir an sie haben dürfen.

Polyamore Menschen haben zwar alternative Gestaltungsmöglichkeiten für Beziehungen entdeckt, aber wieviele Vorstellungen von dem Aufbau von polyamoren Beziehungen basieren immer noch auf den traditionell verhafteten Idealen der „Beziehungsrolltreppe“? Diese Ideen beeinflussen nicht nur die Ausgestaltung unserer Beziehungen, sondern auch, welche Entwicklungsprozesse sie durchlaufen und welchen Wert wir ihnen beimessen.

Im Workshop tragen wir zusammen, welche traditionellen Vorstellungen von Beziehungen noch in unseren  Gestaltungsprozessen verankert sind und diskutieren, wann diese uns in der Entwicklung von Beziehungen hindern und welche alternativen Gestaltungsmöglichkeiten es geben kann. Bitte macht euch schon im Vorfeld Gedanken darüber, welche Marker für traditionelle Beziehungen euch einfallen.

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Nelly Stockburger (Trier):
Gleichschenklige Beziehungen – die Gefährlichkeit überhöhter Ideale

Am Leitthema „Hauptfrau und Nebenfrau“ würde ich gerne das hohe Ideal gleichschenkliger Beziehungen auf das scheinbar minderwertige Konstrukt unperfekt ungleicher Beziehungen „herunter ziehen“ (nur denkerisch). Das Thema der Gefährlichkeit überhöhter Ideale wird hieran sehr deutlich.

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Cloudy (Frankfurt):

Empathen und Narzissten in polyamoren Beziehungen – eine unglückliche Kombination

Während die meisten Menschen mehr oder weniger stark narzisstische Charaktereigenschaften haben, sind diese bei manchen so stark ausgeprägt, dass Psycholog*innen von einer Narzisstischen Persönlichkeitsstörung (NPS) sprechen. Menschen mit NPS sind oft erfolgreich und attraktiv und können sehr vereinnahmend sein. Doch ihr großes Bedürfnis nach Bestätigung von außen können Partner*innen nicht auf Dauer stillen. In den Beziehungen von Menschen mit NPS zeigt sich häufig das Muster Überhöhung – Degradierung – Zurückweisung, wobei vor allem die beiden letzten Phasen mit emotionaler und mitunter auch physischer Gewalt einhergehen können.

Menschen mit besonders großem Empathievermögen fühlen sich oft zu Menschen mit NPS hingezogen, denn diese können sehr charmant sein, und sind durch ihre große Verletzlichkeit sehr verlockende Objekte zum Trösten und Liebhaben. Diese Verbindungen haben jedoch ein hohes Risiko, allen Beteiligten zu schaden.

Der Talk gibt einen Überblick über Merkmale der NPS, legt mögliche Strategien zum Umgang damit dar, zeigt, wie ich das gefährliche Potential in einer Beziehung erkennen kann und welche Optionen ich habe, eine solche Situation zu ändern. Es wird außerdem um die besondere Situation von Empathen/Narzissten-Verbindungen in nicht-monoamoren Strukturen gehen.

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Sonstige Formate:

Lore (Heusenstamm):
Kurzvortrag / Poster: „Zyklusbeobachtung und Familienplanung mit der Symptothermalen Methode“

Die Symptothermale Methode ermöglicht es, den Zeitpunkt des Eisprungs zu ermitteln. Das kann nützlich sein um Schwangerschaft zu verhüten, oder auch um die Empfängniswahrscheinlichkeit zu maximieren. Der Hormonhaushalt bleibt dabei unberührt, die Methode ist sehr preisgünstig und – richtig ausgeführt – vergleichsweise sicher. Auch für Menschen, die sowieso immer mit Kondom verhüten, kann die Zyklusbeobachtung in Bezug auf Schwangerschaft zusätzliche Sicherheit bringen.
In diesem Mini-Workshop wird kurz erklärt, wie die Symptothermale Methode funktioniert, was sie kann und was sie nicht kann.

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Sanne (Frankfurt):
Über das seltsame Verhalten geschlechtsreifer Erwachsener auf Kontaktbörsen im Internet

Alle, die bereits einmal auf einer Online-Kontaktbörse unterwegs waren, können bestätigen, dass hier andere Regeln herrschen als im „echten“ Leben, aber welche genau? Und warum ist das so? Und wie kann ich – insbesondere als polyamor fühlender und lebender Mensch – damit umgehen? Worauf kann ich achten, womit muss ich rechnen, wie kann ich darauf reagieren?

Nach jahrelanger intensiver aktiver Mitgliedschaft im „Joyclub“ und bei „OkCupid“ habe ich mich auf wissenschaftlicher Ebene (Literaturstudium) mit diesen und ähnlichen Fragen auseinandergesetzt und möchte meine gefundenen Antworten in einem kurzen Vortrag mit euch teilen und anschließend darüber diskutieren; auch über die Frage, ob diese Kontaktbörsen überhaupt ein sinnvoller Weg für Polys sein können, BeziehungspartnerInnen zu finden.

 

Ralf (Hannover), Lena (Berlin):
Redekreis zum persönlichen Stand der aktuellen Stressverarbeitung

Ausgelöst durch die Situation und die Themen auf dem Teach-In kann es zu Stress, emotionalem Aufruhr oder allgemeinem Mißbefinden kommen. Dieser Redenkreis ist dazu gedacht, negativen Emotionen im Gespräch mit anderen einen Raum geben zu können, und gerade die Themen anzusprechen, die in der aktuellen Situation als belastend empfunden werden, ohne sich darüber Sorgen zu machen, als miesepetrig oder ungeeignet für das echte polyamore Leben wahrgenommen zu werden.

 

Simone (Frankfurt), Lena (Berlin):
Einführungsworkshop

Soziometrie-Spiele zum Kennenlernen, Austausch über Wünsche und Hoffnungen für die Veranstaltungen in kleinen Teams

 

Gemeinsames Projekt des Orga-Teams:
Open Space zum Thema: Was hat gefehlt, was sollte vertieft werden?

Open Space: (engl.) „offener Raum“ oder „Freiraum“:
Open Space ist eine interaktive Konferenzmethode, bei der es zwar einen thematischen Rahmen gibt, aber die Teilnehmenden selbst aktiv sind und die aktuellen Fragestellungen bzw. Anliegen einbringen, die sie am meisten interessieren.
Open Space Konferenzen sind besonders geeignet, um komplexe Themen mit dem Wissen vieler zu bearbeiten, Erfahrungen auszutauschen, voneinander zu lernen und gemeinsame Strategien zu entwickeln.
Open Space beinhaltet das Prinzip der motivierten Selbstorganisation und Selbstbestimmung und sichert die größtmöglichen Mitwirkungsmöglichkeiten der Teilnehmenden. Gearbeitet wird frei und nach der eigenen Motivation: Kontinuierlich an einem Thema oder wechselnd mal hier, mal dort, oder auch nur kreativ am Kaffeetisch. Ergebnisblätter sichern den Erkenntnisgewinn.

 

Simone (Frankfurt), Anni (Aschaffenburg), Sabrina (Rhein-Main-Gebiet):
World Café zur Auswertung des Teach-Ins

World-Café Etikette:

  • sprich über das, was Dir wichtig ist
  • höre gut hin, um wirklich zu verstehen
  • fasse Dich kurz
  • trage Deine eigene Sichtweise bei
  • sei neugierig auf tiefer gehende Fragen und neue Erkenntnisse
  • spreche und höre mit Herz und Verstand

Auf die Tischdecke schreiben, kritzeln, malen, spielen, Ideen verlinken und verbinden, all das ist ausdrücklich erwünscht!

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