Mein Bauch gehört mir

In den letzten 100 Jahren hat sich mehr und mehr ein Bewusstsein dafür durchgesetzt, dass es das Grund- bzw. Menschenrecht gibt, über die eigene Sexualität selbst bestimmen zu können. Mühsam haben Generationen von Aktivist*innen es erreicht, dass Vergewaltigung in der Ehe verfolgt und Homosexualität nicht mehr bestraft wird. Doch weiterhin sehen es viele Menschen als selbstverständlich an, die Sexualität ihre*r Partner*in kontrollieren zu dürfen, und das, obwohl
dies längst strafbar ist.

In der Bundesrepublik Deutschland wird das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung durch die Auslegung des Grundgesetz, Artikel 1, abgeleitet und schlägt sich in der Großen Strafrechtsreform von 1973 beispielsweise in der Entkriminalisierung von Homosexualität oder vor- und außerehelichem Geschlechtsverkehr, aber auch in späteren Gesetzesänderungen wie der Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe von 1997 nieder. Sexuelle Selbstbestimmung schließt neben der Freiheit vor Übergriffen sowohl die sexuelle Orientierung als auch die freie Wahl der (erwachsenen) Sexualpartner ein.

Ich präsentiere Kontexte und Überlegungen zu diesem Themengebiet und möchte dann mit Euch diskutieren. Mich interessiert vor allem, wieso eigentlich die Grundrechtsverletzung in kontrollierenden Beziehungen häufig nicht wahrgenommen wird und entsprechend auch nicht verhandelt wird. Und auch der Diskrepanz zwischen offizieller Grundrechtsformulierung in unserem Rechtssystem und gelebtem Alltag möchte ich nachgehen.

Kolja ist 44 Jahre alt und lebt beziehungsanarchistisch mit Frau und Kind im Wohnprojekt Ewaldshof. Er hat sich in den letzten Jahrzehnten
politisch mit verschiedenen Themen beschäftigt (Energiepolitik, Urheberrecht, Wohnprojekte, Sexarbeit, Säkularisierung) aber sein besonderes Interesse galt dabei immer dem Unterschied zwischen der offiziellen Position und der tatsächlich verfolgten Strategie der Beteiligten.

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