Asexualität – im Allgemeinen und in nichtexklusiven Beziehungskonzepten

Asexualität ist eine sexuelle Orientierung, die in unserer Kultur noch zu oft unsichtbar oder mit vielen Vorurteilen und Missverständnissen konfrontiert ist. Ich möchte deshalb mit meinem Vortrag zu mehr Sichtbarkeit und der Aufklärung von Missverständnissen beitragen.

Um Asexualität als sexuelle Orientierung richtig verstehen zu können, ist die Unterscheidung verschiedener Ebenen der zwischenmenschlichen Anziehung eine wichtige Grundlage. Diese Unterscheidung kommt in den Normen, die uns im Alltag und in den Medien begegnen, kaum vor. Deswegen verstehen viele asexuelle Menschen erst sehr spät, warum die bekannteren Begriffe der sexuellen Orientierung sich für sie teilweise – aber auch nicht ganz – unpassend anfühlen. Die Differenzierung z.B. in ästhetische, sinnliche, romantische und sexuelle Anziehung ist nützlich, um zu erkennen, dass diese Ebenen nicht immer gleichzeitig oder gleich stark vorhanden sind. So können wir dann unsere Orientierung auf verschiedenen Ebenen getrennt benennen – z.B. sind längst nicht alle asexuellen Menschen auch aromantisch.

Ich werde im ersten Teil meines Vortrags diese wichtigen Grundkonzepte genauer vorstellen und einen kurzen Überblick über die asexuelle Community geben.

Danach möchte ich darauf eingehen, welche Schwierigkeiten asexuelle Menschen in einer Kultur erleben, in der Sexualität gleichzeitig als Tabuthema gilt und als angeblich universelle Motivation, die das menschliche Handeln bestimmt, allgegenwärtig scheint.

Auch in der mehrfachliebenden Community gibt es asexuelle Menschen – vielleicht sogar mehr als woanders. Denn so sehr die polyamore Szene auch mancherorts als sehr sexualisiert wahrgenommen wird, ist sie doch trotzdem auch ein Ort, an dem implizite Erwartungen hinterfragt werden, die in vielen monoamoren Beziehungen unhinterfragt bleiben. Für asexuelle Menschen, die oft große Schwierigkeiten mit der Erwartung haben, sich sexuell von ihren Partner*innen angezogen fühlen zu müssen, ist es sehr hilfreich, wenn ihre Partner*innen sich schon kritisch damit auseinandergesetzt haben.

Zu guter Letzt möchte ich noch zeigen, wie die differenzierte Betrachtung von zwischenmenschlicher Anziehung und Intimität für alle Menschen hilfreich sein kann, um unsere Anziehungen und Beziehungen besser beschreiben zu können. Gute Kommunikation ist bekanntlich sehr wichtig für gute Beziehungen, und je genauer wir uns ausdrücken können, desto besser können wir Missverständnisse vermeiden.

 

Kirstin ist 31 Jahre alt. Sie bezeichnet sich selbst seit ca. 5 Jahren als polyamor und beziehungsanarchistisch, und seit ca. 3 Jahren als asexuell. Um sich selbst darin erkennen zu können, hat ihr die jeweilige Community sehr geholfen, anhand der Erfahrungsberichte anderer Menschen neue Konzepte zu verstehen. Deswegen ist es ihr wichtig, diese Informationen weiterzugeben und daran mitzuwirken, dass diese Community ein angenehmer und hilfreicher Ort für mehrfachliebende Menschen bleibt.

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